Kreuzbandriss bei Hund und Katze

Der Kreuzbandriss- oder korrekter formuliert: die Kreuzbanderkrankung des Hundes – ist die häufigste orthopädische Erkrankung der Hunde am Hinterbein. Typischerweise tritt die Krankheit beim älteren Hund auf – allerdings in Einzelfällen und v.a. bei großen Rassen wie z.B. Neufundländer, Boerbel, Mastiff und Bulldoggen auch schon in den ersten Lebensjahren.

Anders als beim Menschen entsteht der Kreuzbandriss beim Hund meist nicht durch einen Unfall. Durch intensive Forschung innerhalb der letzten Jahrzehnte weiß man heute, dass es nicht DEN EINEN Auslöser für die Erkrankung gibt, sondern ein multifaktorielles Geschehen, also mehrere Einflüsse im Zusammenspiel, die Krankheit auslösen. Beispiele für die Einflussfaktoren sind z.B. die Rasse, die Knochenformation, Übergewicht, frühere kleine Verletzungen des Kniegelenks oder andere Erkrankungen wie Patellaluxation und Gelenksentzündungen.

Durch diese Auslöser startet ein entzündlicher Prozess im Kniegelenk, der sich über Wochen, Monate und Jahre hinzieht. Die Entzündungszellen im Gelenk greifen schließlich das eigene vordere Kreuzband an und schädigen es. Dieser Prozess setzt sich fort, bis eines Tages bei einer ganz normalen Bewegung der Rest des Kreuzbandes auffasert und es zum Kreuzbandriss kommt.

Und was bedeutet das für den Hund? Schon beim Anriss, aber erst recht ab dem kompletten Riss des Kreuzbandes ist im Kniegelenk mehr Bewegung als sich gehört. Und das verursacht starke Schmerzen. Oberschenkelknochen und Schienbein bewegen sich gegeneinander und stressen dabei die Menisken und die Gelenkkapsel. Die Entzündung setzt sich zügig fort und führt zur Arthrose, die chronischen Schmerz bedeutet.

Was dagegen tun?

Eine Medikamentengabe und andere nicht-chirurgischen Methoden können leider die Symptome nur etwas lindern.

Die beste Therapie der Kreuzbanderkrankung ist eine Operation, die die Stabilität des Gelenks wieder herstellt und so die Schmerzen stoppt und die Entzündung bremst.

Es gibt mehrere unterschiedliche Operationsmethoden, die sich in Aufwand, Kosten und Erfolgsaussichten unterscheiden. Wir legen in unserer Klinik größten Wert darauf, individuell für jeden Patienten die beste OP-Methode auszuwählen. Folgende Operationstechniken bieten wir in unserem Haus u. a. an:

  • Extrakapsuläre Fadenzügeltechniken
    (modifiziert nach Flo)
  • die ModifiedMaquetProcedure
    (MMP, eine Form der TuberositasTibiaeAdvancement TTA) 
  • TibiaPlateauLevelingOsteotomie (TPLO)
    Diese Methode ermöglicht nach aktuellem Stand der Wissenschaft die besten Langzeit-Ergebnisse und kann sowohl bei kleinen als auch bei sehr großen Hunden (z.B. Neufundländer und Dogge) angewandt werden. Über diese Operationsmethode kann bei vielen Tieren die Benutzung des operierten Beines sogar wieder zu 100% hergestellt werden (Krotscheck U. et al. Vet Surg 2016).

Wann operiert man am besten?

Es kommt nicht auf zwei oder drei Tage an, aber lieber früh als spät operieren! Solange „nur“ ein Kreuzbandanriss besteht, sind die Erfolgsaussichten der Operation besonders gut. Und weil etwa 60% aller Hunde, die einen Kreuzbandriss auf einer Seite haben, auch auf der anderen Seite einen Kreuzbandriss erleiden werden, hilft es dem Tier sehr, wenn eine Seite schon erfolgreich operiert ist, bevor die zweite Seite Probleme macht.

Und bei Katzen?

Da verhält es sich anders als beim Hund. Der Kreuzbandriss der Katze tritt oft bei übergewichtigen Katzen nach einem gewagten Sprung oder einem Sturz auf. Leider kommen dabei meist nicht nur das vordere Kreuzband, sondern noch andere Anteile des Kniegelenks zu Schaden wie z.B. Seitenbänder, Menisken, Gelenkkapsel und hinteres Kreuzband. Die Art der Operation, die infolgedessen notwendig wird, richtet sich deshalb danach, welche Anteile des Knies defekt sind.

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Sprechen Sie uns an oder stellen Sie Ihr Tier bei uns in der orthopädischen Sprechstunde vor.